Hartmut Schaffrin
Gaby Ravené-Uhlembrok
Jessica Ernst
Besetzung 2006
FJODOR PAWLOWITSCH KARAMASOW
Mathias Neuber
DMITRIJ FJODOROWITSCH KARAMASOW
Eralp Uzun
IWAN FJODOROWITSCH KARAMASOW
Rudi Keiler Gómez de Mello
ALEXEJ FJODOROWITSCH KARAMASOW, ALJOSCHA
Jakob Plutte
STAREZ SOSSIMA
Michael Arndt Gastaud
VATER PAISSIJ
Gianni Masarié
VATER JOSSIF
Tino Fahrentholz
VATER FERAPONT
Martina-Malte Rathmann
MIUSSOW
Maria de la Calle
RAKITIN
Marco Euent
MUTTER NASTASSJUSCHKA
Martina-Malte Rathmann
SÜNDERIN
Teresa Michonska
WITWE PROCHOROWNA
Andrea Manke
BÄUERIN
Geli Kandoule Ganderi
MME CHOCHLAKOWA
Tatjana Kuprianova
LISE, ihre Tochter
Anna Oussankina
JULIJA, ihre Bedienerin
Josepha Herzog
GRIGORIJ, Diener von F.P. Karamasow
Martin Daerr
PAWEL FJODOROWITSCH SMERDJAKOW
Michael Schmidt
MARJA, Kaufmannswitwe
Mirjam Novak
KATERINA IWANOWNA WERCHOWZEWA
Alina Wolff
GRUSCHENKA
Larissa Gorn
FENJA, ihre Bedienerin
Kristina Bauer
SNEGIRJOW, STABSKAPITÄN a.D.
D. Schmitt
ARINA PETROWNA, seine Ehefrau
Andrea Manke
WARWARA, seine Tochter
Peggy Klinkert
NINA, seine Tochter
Geli Kandoule Ganderi
ILJUSCHA, sein Sohn
Lukas Hoffmann
KARTASCHOW, Schüler
Sascha Steudte
SMUROW, Schülerin
Susanna Heckel
KOLJA, Schülerin
Jenny Kauka
ER
Martina-Malte Rathmann
GROSSINQUISITOR
Maria de la Calle
HEILIGE WACHE
Gianni Masarié + TINO FARENTHOLZ
MOKROJES HERBERGSVATER
D. Schmitt
MUSIALOWICZ, Gruschenkas „Einstiger“
Michael Schmidt
WRÓBLEWSKI, sein Partner
Tino Fahrenmtholz
KALGANOW
Marco Euent
MAXIMOW
Gianni Masarié
ERMITTLUNGSRICHTER
Andrea Manke
POLIZEICHEF
Martina-Malte Rathmann
STAATSANWALT
Maria de la Calle
MOSKAUER ARZT
Martina-Malte Rathmann
VORSITZENDER
Mathias Neuber
VERTEIDIGER
Michael Arndt Gastaud
Besetzung 2007
FJODOR PAWLOWITSCH KARAMASOW
Mathias Neuber
DMITRIJ FJODOROWITSCH KARAMASOW
Matthias Kelle
IWAN FJODOROWITSCH KARAMASOW
Rudi Keiler Gómez de Mello
ALJOSCHA FJODOROWITSCH KARAMASOW
Jakob Plutte
STAREZ SOSSIMA
Michael Arndt-Gastaud
VATER PAISSIJ, Priestermönch
Gianni Masarié
VATER JOSSIF, Priestermönch
Tino Fahrentholz
VATER FERAPONT, Einsiedler
Martina-Malte Rathmann
RAKITIN, Seminarist
Marco Euent
MIUSSOW, Vormund von Dmitrij
Maria de la Calle
SÜNDERIN
Teresa Michonska
WITWE PROCHOROWNA
Andrea Manke
MME CHOCHLAKOWA
Martina-Malte Rathmann
LISE, ihre Tochter
Anna Oussankina
JULIJA, ihr Hausmädchen
Nadine Böttger
GRIGORIJ, Diener von Fjodor Karamasow
Martin Daerr
PAWEL FJODOROWITSCH SMERDJAKOW
Michael Schmidt
MARJA KONDRATJEWNA, Witwe
Natascha Matthies
GRUSCHENKA, AGRAFENA ALEXANDROWNA
Larissa Gorn
FENJA , ihr Hausmädchen
Peggy Klinkert
KATERINA IWANOWNA WERCHOWZEWA
Sabine Dotzer
SNEGIRJOW, STABSKAPITÄN a.D.
D.
Schmitt
ARINA PETROWNA, seine Ehefrau
Andrea Manke
WARWARA NIKOLAJEWNA, seine Tochter
Peggy Klinkert
ILJUSCHA, sein Sohn
Lukas Hoffmann
KARTASCHOW, Schüler
Sascha Steudte
SMUROW, Schüler
Susanna Heckel
KOLJA, Schüler
Jenny Kauka
ANJUSCHKA, Schüler
Annely Morgenstern
RONJUSCHKA, Schüler
Ronja Bangerter
NELLITSCHKA, Schüler
Nele Keshishian
ANUSCHKA, Schüler
Anna Siegert
ER
Martina-Malte Rathmann
GROSSINQUISITOR
Maria de la Calle
TRIFON, Herbergsvater
D. Schmitt
KALGANOW
Marco Euent
MAXIMOW, ehemaliger Gutsherr
Gianni Masarié
PAN MUSIALOWICZ, Gruschenkas „Einstiger“
Michael Schmidt
PAN WRÓBLEWSKI, sein Partner
Tino Fahrentholz
ERMITTLUNGSRICHTER
Andrea Manke
POLIZEICHEF
Teresa Michonska
STAATSANWALT
Maria de la Calle
MOSKAUER ARZT
Michael Arndt-Gastaud
VORSITZENDER
Mathias Neuber
VERTEIDIGER
Michael Arndt-Gastaud
Der Roman „Die Brüder Karamasow“ als Theaterstück.
Vier Brüder, zwischen 20 und 30 Jahren alt, lehnen sich gegen den Vater
auf. Dmitrij, Kind seiner ersten Frau, ist ein entlassener Soldat ohne
Ausbildung. Iwan, Sohn seiner zweiten verstorbenen Frau, hat die
Universität besucht und schreibt atheistische Artikel. Aljoscha, der
jüngere Sohn der zweiten Frau, will Mönch werden. Smerdjakow, illegitimer
Sohn, Resultat einer Vergewaltigung, ist Epileptiker und arbeitet als Koch
bei seinem Vater Fjodor Karamasow.
Dmitrij will Geld, das ihm der Vater aus dem Erbe der Mutter angeblich
noch schuldet. Und Dmitrij will auch - obwohl mit der reichen Katerina
verlobt - Gruschenka, eine junge Frau, die auch vom alten Vater umworben
wird. Als der Vater umgebracht wird, fällt der Verdacht auf ihn.
Wo alles wahr ist, auch das Gegenteil.
Iwan Karamasow, ein überzeugter Atheist, und sein tief religiöser Bruder
Aljoscha führen eine metaphysische Debatte. Iwan kann sich nicht mit der
Tatsache des Leidens in der Welt abfinden, und zählt seinem Bruder eine
erdrückende Anzahl von Beispielen auf - vor allem von den Leiden kleiner,
unschuldiger Kinder. Er hat sich daher zum Entschluss durchgerungen, dass
selbst dann, wenn all dies Übermaß an Leiden eine Notwendige Vorbedingung
für schließliche ewige Harmonie wäre, er diese Harmonie aus Liebe zur
Menschheit nicht annehmen könnte. Für Aljoscha aber gibt es ein Wesen, das
das Recht hat, alles Leiden der Menschheit zu vergeben – Christus. Doch
Iwan hat diesen Einwand erwartet und erzählt Aljoscha nun als Antwort sein
Poem vom Großinquisitor.
Die Handlung spielt in Sevilla des 16. Jahrhunderts, zur schrecklichsten
Zeit der Inquisition, am Tage nachdem auf Befehl des Kardinal-Inquisitors
in einem prächtigen Autodafé fast hundert Ketzer ad majorem gloriam Die
bei lebendigen Leib verbrannt worden sind – lehrt die unwiderlegbare
Doktrin der Inquisition doch, dass körperliches Leiden dem Seelenheil
nicht nur nicht abträglich, sondern geradezu förderlich ist. An diesem
Tage steigt Er nochmals herab und wird sofort von seinem leidenden Volk
erkannt und verehrt. Der Kardinal aber lässt Ihn verhaften, und so groß
ist seine Macht, dass alle zitternd und wortlos vor den Wachen
zurückweichen. Dann erhebt der Großinquisitor die
schwerste und schrecklichste Anklage, die je gegen das Christentum
vorgebracht wurde:
Jesus hat die Menschheit betrogen, da Er wissentlich und absichtlich die
einzige Möglichkeit verwarf, die Menschen glücklich zu machen. Dieses
einzige, unwiederbringliche Ereignis trat ein, als der furchtbare und
kluge Geist, der Geist der Selbstvernichtung und des Nichtseins, Ihn in
der Wüste versuchte, indem er Ihm drei Fragen stellte.
Als erstes versuchte Ihn der Geist, die Steine der Wüste in Brot zu
verwandeln. Er aber verschmähte dies, denn er wollte den Menschen nicht
der Freiheit berauben, und was wäre die Freiheit, wenn sie mit Brot
erkauft wäre? Damit aber beraubte er den Menschen seiner tiefsten
Sehnsucht: jemanden zu finden, den alle gemeinsam verehren können, der
ihnen die furchtbare Last der Freiheit abnimmt. Anstatt sich die
menschliche Freiheit zu unterwerfen,
vergrößerte Er sie noch; anstatt fester Grundlagen zur Beruhigung des
menschlichen Gewissens, wählte Er alles, was es Ungewöhnliches,
Rätselhaftes und Unbestimmtes gibt, was über die Kräfte der Menschen geht,
und handelte
daher, als ob Er sie überhaupt nicht geliebt hätte.
Und als Er die zweite Versuchung abwies – sich von der Zinne des Tempels
zu stürzen, denn es steht geschrieben, „dass Engel Ihn auffangen und
tragen werden“ -, da verschmähte Er die Macht des Wunders, weil Er nach
freier und nicht nach durch Wunder erzwungener Liebe verlangte. Doch ist
der Mensch dieser Liebe fähig? Nein, der Mensch ist schwächer und
niedriger, als Er von ihm glaubte.
Und dann kommt der Großinquisitor zur letzten Versuchung, zur dritten
Gabe, die Er ausschlug: die Welt zu beherrschen und die Menschheit zu
einem einzigen, einstimmigen Ameisenhaufen zu vereinigen, denn das
Bedürfnis nach allgemeiner und weltumfassender Vereinigung ist die dritte
und letzte Sehnsucht der Menschen.
„Wir“, sagt der Kardinal, haben deine Tat verbessert und sie auf dem
Wunder, dem Geheimnis und der Autorität aufgebaut. Und die Menschen freuen
sich, dass sie wieder wie eine Herde geführt werden und dass von ihren
Herzen endlich das ihnen so furchtbare Geschenk, das ihnen soviel Qual
gebracht hatte, genommen wurde.
Und am Ende seiner Anklage teilt der Großinquisitor Ihm mit, dass es Ihm
nicht gestattet sein werde, die Menschheit ein zweites Mal in solches
Unglück zu stürzen: Morgen werde Er selbst auf dem Scheiterhaufen
verbrennen!
All dem hat der Gefangene schweigend zugehört. Nun nähert er sich dem
Greis und küsst ihn leise auf seine Lippen. Der Kardinal erzittert: „Geh
und komme nie wieder... niemals!“ Und der Gefangene geht hinaus in die
Nacht.
„Aber... das ist doch Absurd!“ stößt Aljoscha hervor. „Dein Poem ist ein
Lob Jesu, aber keine Schmähung... wie du es gewollt hast...“
Seit der Veröffentlichung der „Brüder Karamasow“ lässt sich das Echo von
Aljoschas Ausruf immer wieder vernehmen. Was ist der „wirkliche“ Sinn
dieser Geschichte, deren Autor ein tief religiöser Mensch war; dieser
Geschichte aus dem Munde einer Romanfigur, deren Atheismus, wie
Dostojewski uns erklärt, so vollkommen ist, dass ihn „nur noch ein
einziger Schritt vom vollkommenen Glauben trennt“?
Die Geschichte ist fiktiv, aber ihre Implikationen sind es keineswegs.
Sowohl Christus wie der Großinquisitor haben sich dem Wohle der Menschheit
verschrieben, und dennoch trennt sie eine unüberbrückbare Kluft: die
Paradoxie des Helfens und das mit ihr untrennbar verbundene Problem der
Macht. Jesus, so lautet die Anklage des Großinquisitors, wünscht spontanen
Gehorsam und schafft damit eine Paradoxie, deren Lösung dem Menschen
unmöglich ist.
Für den Kardinal besteht die wahre Erlösung des Menschen darin, ihm die
schreckliche Last der Freiheit abzunehmen; ihn unfrei, aber glücklich zu
machen. Für Jesus dagegen ist das Ziel die Freiheit, nicht das Glück. Iwan
Karamasows Poem bedeutet Grundverschiedenes, je nachdem, ob wir die Welt
im Sinne Jesu oder des Großinquisitors sehen. Wem aber beide Anschauungen
zugänglich sind, der verliert den sicheren Boden vermeintlicher
Wirklichkeit unter den Füßen und verfängt sich in einem Universum, in dem
alles wahr ist, auch das Gegenteil.
aus „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“
von Paul Watzlawick
Das Zwiebelchen
Es lebte einmal ein Weib, das war sein Leben lang böse, und eines Tages
starb es. Und nicht eine einzige gute Tat hatte es hinterlassen. Die
Teufel packten es und warfen es in den Feuersee.
Sein Schutzengel aber dachte: Ich sollte mich an eine gute Tat von ihr
erinnern, um sie Gott zu erzählen! Und er erinnerte sich und sprach zum
Herrn: Sie hat in ihrem Gemüsegarten ein Zwiebelchen aus dem Beet
herausgerupft und einer Bettlerin gereicht.
Und der Herr antwortete ihm: Nimm also du dieses selbige Zwiebelchen und
reiche es ihr in den See hinunter, sie kann sich daran festhalten und sich
von dir herausziehen lassen, und wenn du sie aus dem See herausgezogen
hast, darf sie ins Paradies eingehen. Wenn es aber das Zwiebelchen
abreißt, muss das Weib bleiben, wo es ist.
Der Engel eilte zu dem Weib und hielt ihm das Zwiebelchen hin: Hier, sagte
er, halt dich daran fest, ich ziehe dich heraus. Und er zog behutsam an
dem Zwiebelchen und hatte das Weib schon fast herausgezogen, aber die
anderen Sünder in dem See wollten, mit ihr zusammen herausgezogen werden
und klammerten sich an die Alte.
Das Weib aber begann nach den anderen mit den Füßen zu treten: >Ich werde
herausgezogen und nicht ihr, das ist mein Zwiebelchen und nicht eures!<
Kaum hatte sie das gesagt, als das Zwiebelchen abriss. Und das Weib fiel
in den See zurück und brennt dort bis zu dem heutigen Tag.
aus „Die Brüder Karamasow“
PROJEKTFÖRDERER
DRAMATURGIESEMINARE 2005/2006
VHS Spandau
THEATERPRODUKTION 2006
Fonds Darstellende Künste Bonn
Berliner Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Sport
Spandauer Bezirksverordnetenversammlung
Siemens
WIEDERAUFNAHME 2007
Theater an der Parkaue
Siemens
GSW