KARAMASOW
 

KARAMASOW

von Fjodor Dostojewskij

Premiere
Freitag 15. September 2006 19 Uhr JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU
Weitere Vorstellungen 16., 17., 22., 23., 24., 29., 30.09., 01., 02., 03.10.

Wiederaufnahme
Samstag 25. August 2007 19 Uhr JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU
Weiter Vorstellungen 26., 31.08., 1.,2.09.

Gastspiel
Donnerstag 13. September 2007 18 Uhr THEATER AN DER PARKAUE
Weitere Vorstellungen 15., 17., 28., 29.09.

Dauer 4 Stunden in 4 Teilen von 45 Minuten und 3 Pausen


KARAMASOW  Fjodor Dostojewskij
 

REGIE Carlos Manuel
BÜHNE Fred Pommerehn
KOSTÜME Verena Hay
CHOR Ingrid Hammer
PRODUKTION Hartmut Schaffrin
   
REGIE- und DRAMATURGIEASSISTENZ Peggy Klinkert
Teresa Michonska
Rudi Keiler Gómez de Mello
Larissa Gorn
   
JTW TECHNIK Anja Hoffmann
Björn Petersen
Patryk Witt
JTW ORGANISATION Hartmut Schaffrin
Gaby Ravené-Uhlembrok
Jessica Ernst

Besetzung 2006

FJODOR PAWLOWITSCH KARAMASOW Mathias Neuber
DMITRIJ FJODOROWITSCH KARAMASOW Eralp Uzun
IWAN FJODOROWITSCH KARAMASOW Rudi Keiler Gómez de Mello
ALEXEJ FJODOROWITSCH KARAMASOW, ALJOSCHA Jakob Plutte
STAREZ SOSSIMA Michael Arndt Gastaud
VATER PAISSIJ Gianni Masarié
VATER JOSSIF Tino Fahrentholz
VATER FERAPONT Martina-Malte Rathmann
MIUSSOW Maria de la Calle
RAKITIN Marco Euent
MUTTER NASTASSJUSCHKA Martina-Malte Rathmann
SÜNDERIN Teresa Michonska
WITWE PROCHOROWNA Andrea Manke
BÄUERIN Geli Kandoule Ganderi
MME CHOCHLAKOWA Tatjana Kuprianova
LISE, ihre Tochter Anna Oussankina
JULIJA, ihre Bedienerin Josepha Herzog
GRIGORIJ, Diener von F.P. Karamasow Martin Daerr
PAWEL FJODOROWITSCH SMERDJAKOW Michael Schmidt
MARJA, Kaufmannswitwe Mirjam Novak
KATERINA IWANOWNA WERCHOWZEWA Alina Wolff
GRUSCHENKA Larissa Gorn
FENJA, ihre Bedienerin Kristina Bauer
SNEGIRJOW, STABSKAPITÄN a.D. D. Schmitt
ARINA PETROWNA, seine Ehefrau Andrea Manke
WARWARA, seine Tochter Peggy Klinkert
NINA, seine Tochter Geli Kandoule Ganderi
ILJUSCHA, sein Sohn Lukas Hoffmann
KARTASCHOW, Schüler Sascha Steudte
SMUROW, Schülerin Susanna Heckel
KOLJA, Schülerin Jenny Kauka
ER Martina-Malte Rathmann
GROSSINQUISITOR Maria de la Calle
HEILIGE WACHE Gianni Masarié + TINO FARENTHOLZ
MOKROJES HERBERGSVATER D. Schmitt
MUSIALOWICZ, Gruschenkas „Einstiger“ Michael Schmidt
WRÓBLEWSKI, sein Partner Tino Fahrenmtholz
KALGANOW Marco Euent
MAXIMOW Gianni Masarié
ERMITTLUNGSRICHTER Andrea Manke
POLIZEICHEF Martina-Malte Rathmann
STAATSANWALT Maria de la Calle
MOSKAUER ARZT Martina-Malte Rathmann
VORSITZENDER Mathias Neuber
VERTEIDIGER Michael Arndt Gastaud

Besetzung 2007

FJODOR PAWLOWITSCH KARAMASOW Mathias Neuber
DMITRIJ FJODOROWITSCH KARAMASOW Matthias Kelle
IWAN FJODOROWITSCH KARAMASOW Rudi Keiler Gómez de Mello
ALJOSCHA FJODOROWITSCH KARAMASOW Jakob Plutte
STAREZ SOSSIMA Michael Arndt-Gastaud
VATER PAISSIJ, Priestermönch Gianni Masarié
VATER JOSSIF, Priestermönch Tino Fahrentholz
VATER FERAPONT, Einsiedler Martina-Malte Rathmann
RAKITIN, Seminarist Marco Euent
MIUSSOW, Vormund von Dmitrij Maria de la Calle
SÜNDERIN Teresa Michonska
WITWE PROCHOROWNA Andrea Manke
MME CHOCHLAKOWA Martina-Malte Rathmann
LISE, ihre Tochter Anna Oussankina
JULIJA, ihr Hausmädchen Nadine Böttger
GRIGORIJ, Diener von Fjodor Karamasow Martin Daerr
PAWEL FJODOROWITSCH SMERDJAKOW Michael Schmidt
MARJA KONDRATJEWNA, Witwe Natascha Matthies
GRUSCHENKA, AGRAFENA ALEXANDROWNA       Larissa Gorn
FENJA , ihr Hausmädchen Peggy Klinkert
KATERINA IWANOWNA WERCHOWZEWA Sabine Dotzer
SNEGIRJOW, STABSKAPITÄN a.D. D. Schmitt
ARINA PETROWNA, seine Ehefrau Andrea Manke
WARWARA NIKOLAJEWNA, seine Tochter Peggy Klinkert
ILJUSCHA, sein Sohn Lukas Hoffmann
KARTASCHOW, Schüler Sascha Steudte
SMUROW, Schüler Susanna Heckel
KOLJA, Schüler Jenny Kauka
ANJUSCHKA, Schüler Annely Morgenstern
RONJUSCHKA, Schüler Ronja Bangerter
NELLITSCHKA, Schüler Nele Keshishian
ANUSCHKA, Schüler Anna Siegert
ER Martina-Malte Rathmann
GROSSINQUISITOR Maria de la Calle
TRIFON, Herbergsvater D. Schmitt
KALGANOW Marco Euent
MAXIMOW, ehemaliger Gutsherr Gianni Masarié
PAN MUSIALOWICZ, Gruschenkas „Einstiger“ Michael Schmidt
PAN WRÓBLEWSKI, sein Partner Tino Fahrentholz
ERMITTLUNGSRICHTER Andrea Manke
POLIZEICHEF Teresa Michonska
STAATSANWALT Maria de la Calle
MOSKAUER ARZT Michael Arndt-Gastaud
VORSITZENDER Mathias Neuber
VERTEIDIGER Michael Arndt-Gastaud
 

Der Roman „Die Brüder Karamasow“ als Theaterstück.

Vier Brüder, zwischen 20 und 30 Jahren alt, lehnen sich gegen den Vater auf. Dmitrij, Kind seiner ersten Frau, ist ein entlassener Soldat ohne Ausbildung. Iwan, Sohn seiner zweiten verstorbenen Frau, hat die Universität besucht und schreibt atheistische Artikel. Aljoscha, der jüngere Sohn der zweiten Frau, will Mönch werden. Smerdjakow, illegitimer Sohn, Resultat einer Vergewaltigung, ist Epileptiker und arbeitet als Koch bei seinem Vater Fjodor Karamasow.
Dmitrij will Geld, das ihm der Vater aus dem Erbe der Mutter angeblich noch schuldet. Und Dmitrij will auch - obwohl mit der reichen Katerina verlobt - Gruschenka, eine junge Frau, die auch vom alten Vater umworben wird. Als der Vater umgebracht wird, fällt der Verdacht auf ihn.
 


Wo alles wahr ist, auch das Gegenteil.

Iwan Karamasow, ein überzeugter Atheist, und sein tief religiöser Bruder Aljoscha führen eine metaphysische Debatte. Iwan kann sich nicht mit der Tatsache des Leidens in der Welt abfinden, und zählt seinem Bruder eine erdrückende Anzahl von Beispielen auf - vor allem von den Leiden kleiner, unschuldiger Kinder. Er hat sich daher zum Entschluss durchgerungen, dass selbst dann, wenn all dies Übermaß an Leiden eine Notwendige Vorbedingung für schließliche ewige Harmonie wäre, er diese Harmonie aus Liebe zur Menschheit nicht annehmen könnte. Für Aljoscha aber gibt es ein Wesen, das das Recht hat, alles Leiden der Menschheit zu vergeben – Christus. Doch Iwan hat diesen Einwand erwartet und erzählt Aljoscha nun als Antwort sein Poem vom Großinquisitor.

Die Handlung spielt in Sevilla des 16. Jahrhunderts, zur schrecklichsten Zeit der Inquisition, am Tage nachdem auf Befehl des Kardinal-Inquisitors in einem prächtigen Autodafé fast hundert Ketzer ad majorem gloriam Die bei lebendigen Leib verbrannt worden sind – lehrt die unwiderlegbare Doktrin der Inquisition doch, dass körperliches Leiden dem Seelenheil nicht nur nicht abträglich, sondern geradezu förderlich ist. An diesem Tage steigt Er nochmals herab und wird sofort von seinem leidenden Volk erkannt und verehrt. Der Kardinal aber lässt Ihn verhaften, und so groß ist seine Macht, dass alle zitternd und wortlos vor den Wachen zurückweichen. Dann erhebt der Großinquisitor die
schwerste und schrecklichste Anklage, die je gegen das Christentum vorgebracht wurde:

Jesus hat die Menschheit betrogen, da Er wissentlich und absichtlich die einzige Möglichkeit verwarf, die Menschen glücklich zu machen. Dieses einzige, unwiederbringliche Ereignis trat ein, als der furchtbare und kluge Geist, der Geist der Selbstvernichtung und des Nichtseins, Ihn in der Wüste versuchte, indem er Ihm drei Fragen stellte.

Als erstes versuchte Ihn der Geist, die Steine der Wüste in Brot zu verwandeln. Er aber verschmähte dies, denn er wollte den Menschen nicht der Freiheit berauben, und was wäre die Freiheit, wenn sie mit Brot erkauft wäre? Damit aber beraubte er den Menschen seiner tiefsten Sehnsucht: jemanden zu finden, den alle gemeinsam verehren können, der ihnen die furchtbare Last der Freiheit abnimmt. Anstatt sich die menschliche Freiheit zu unterwerfen,
vergrößerte Er sie noch; anstatt fester Grundlagen zur Beruhigung des menschlichen Gewissens, wählte Er alles, was es Ungewöhnliches, Rätselhaftes und Unbestimmtes gibt, was über die Kräfte der Menschen geht, und handelte
daher, als ob Er sie überhaupt nicht geliebt hätte.

Und als Er die zweite Versuchung abwies – sich von der Zinne des Tempels zu stürzen, denn es steht geschrieben, „dass Engel Ihn auffangen und tragen werden“ -, da verschmähte Er die Macht des Wunders, weil Er nach freier und nicht nach durch Wunder erzwungener Liebe verlangte. Doch ist der Mensch dieser Liebe fähig? Nein, der Mensch ist schwächer und niedriger, als Er von ihm glaubte.

Und dann kommt der Großinquisitor zur letzten Versuchung, zur dritten Gabe, die Er ausschlug: die Welt zu beherrschen und die Menschheit zu einem einzigen, einstimmigen Ameisenhaufen zu vereinigen, denn das Bedürfnis nach allgemeiner und weltumfassender Vereinigung ist die dritte und letzte Sehnsucht der Menschen.

„Wir“, sagt der Kardinal, haben deine Tat verbessert und sie auf dem Wunder, dem Geheimnis und der Autorität aufgebaut. Und die Menschen freuen sich, dass sie wieder wie eine Herde geführt werden und dass von ihren Herzen endlich das ihnen so furchtbare Geschenk, das ihnen soviel Qual gebracht hatte, genommen wurde.

Und am Ende seiner Anklage teilt der Großinquisitor Ihm mit, dass es Ihm nicht gestattet sein werde, die Menschheit ein zweites Mal in solches Unglück zu stürzen: Morgen werde Er selbst auf dem Scheiterhaufen verbrennen!

All dem hat der Gefangene schweigend zugehört. Nun nähert er sich dem Greis und küsst ihn leise auf seine Lippen. Der Kardinal erzittert: „Geh und komme nie wieder... niemals!“ Und der Gefangene geht hinaus in die Nacht.

„Aber... das ist doch Absurd!“ stößt Aljoscha hervor. „Dein Poem ist ein Lob Jesu, aber keine Schmähung... wie du es gewollt hast...“

Seit der Veröffentlichung der „Brüder Karamasow“ lässt sich das Echo von Aljoschas Ausruf immer wieder vernehmen. Was ist der „wirkliche“ Sinn dieser Geschichte, deren Autor ein tief religiöser Mensch war; dieser Geschichte aus dem Munde einer Romanfigur, deren Atheismus, wie Dostojewski uns erklärt, so vollkommen ist, dass ihn „nur noch ein einziger Schritt vom vollkommenen Glauben trennt“?

Die Geschichte ist fiktiv, aber ihre Implikationen sind es keineswegs. Sowohl Christus wie der Großinquisitor haben sich dem Wohle der Menschheit verschrieben, und dennoch trennt sie eine unüberbrückbare Kluft: die Paradoxie des Helfens und das mit ihr untrennbar verbundene Problem der Macht. Jesus, so lautet die Anklage des Großinquisitors, wünscht spontanen Gehorsam und schafft damit eine Paradoxie, deren Lösung dem Menschen unmöglich ist.

Für den Kardinal besteht die wahre Erlösung des Menschen darin, ihm die schreckliche Last der Freiheit abzunehmen; ihn unfrei, aber glücklich zu machen. Für Jesus dagegen ist das Ziel die Freiheit, nicht das Glück. Iwan
Karamasows Poem bedeutet Grundverschiedenes, je nachdem, ob wir die Welt im Sinne Jesu oder des Großinquisitors sehen. Wem aber beide Anschauungen zugänglich sind, der verliert den sicheren Boden vermeintlicher Wirklichkeit unter den Füßen und verfängt sich in einem Universum, in dem alles wahr ist, auch das Gegenteil.

aus „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
von Paul Watzlawick


Das Zwiebelchen

Es lebte einmal ein Weib, das war sein Leben lang böse, und eines Tages starb es. Und nicht eine einzige gute Tat hatte es hinterlassen. Die Teufel packten es und warfen es in den Feuersee.

Sein Schutzengel aber dachte: Ich sollte mich an eine gute Tat von ihr erinnern, um sie Gott zu erzählen! Und er erinnerte sich und sprach zum Herrn: Sie hat in ihrem Gemüsegarten ein Zwiebelchen aus dem Beet herausgerupft und einer Bettlerin gereicht.

Und der Herr antwortete ihm: Nimm also du dieses selbige Zwiebelchen und reiche es ihr in den See hinunter, sie kann sich daran festhalten und sich von dir herausziehen lassen, und wenn du sie aus dem See herausgezogen hast, darf sie ins Paradies eingehen. Wenn es aber das Zwiebelchen abreißt, muss das Weib bleiben, wo es ist.

Der Engel eilte zu dem Weib und hielt ihm das Zwiebelchen hin: Hier, sagte er, halt dich daran fest, ich ziehe dich heraus. Und er zog behutsam an dem Zwiebelchen und hatte das Weib schon fast herausgezogen, aber die anderen Sünder in dem See wollten, mit ihr zusammen herausgezogen werden und klammerten sich an die Alte.

Das Weib aber begann nach den anderen mit den Füßen zu treten: >Ich werde herausgezogen und nicht ihr, das ist mein Zwiebelchen und nicht eures!< Kaum hatte sie das gesagt, als das Zwiebelchen abriss. Und das Weib fiel in den See zurück und brennt dort bis zu dem heutigen Tag.

aus „Die Brüder Karamasow


PROJEKTFÖRDERER

DRAMATURGIESEMINARE 2005/2006
VHS Spandau

THEATERPRODUKTION 2006

Fonds Darstellende Künste Bonn
Berliner Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Sport
Spandauer Bezirksverordnetenversammlung
Siemens

WIEDERAUFNAHME 2007
Theater an der Parkaue
Siemens
GSW


 


Generationsdrama mit einer Wucht,
dass einem die Luft wegbleibt.

Kritik in Zitty

Poster Karamasow JTZ
Poster

Die Brüder Karamasow

 

Stammbaum der Familie Karamasow
Stammbaum der Familie Karamasow