WILDE HUNDE
|
|
| Dezember 1998
WILDE HUNDE "Die JugendTheaterWerkstatt Spandau (Regie: Serdal
Karaça) versucht erst gar nicht, dem Tarantino-Film hinterher
zu spielen. "U7 Richtung Spandau, 10 Uhr, ich fahre nach Spandau zum Klubhaus im Falkenhagener Feld. Die U-Bahn ist voll mit Jugendlichen. Ich höre Wortfetzen deutsch, türkisch, russisch. Die Sprache ist direkt, vulgär und hemmungslos. Sie haben einen Sprachcode, ohne den gehörst du nicht dazu. Die Bedeutung erscheint von außen vulgär und verletzend, aber sie liegt nicht im Wortwörtlichen, sondern in der Übertragung. "Ich bin anderer Meinung" heißt "FICK DICH MANN". Ihre Sprache drückt Coolness und Selbstsicherheit aus; sie wollen Respekt. Ihre Körperhaltung gleicht Filmfiguren. Sie setzen sich die Rollen auf wie Sonnenbrillen und verhüllen sich dahinter. Träume von jungen Menschen, die am Rande leben und wenig Chancen haben, gesellschaftlich aufzusteigen. WILDE HUNDE ist eine Filmgeschichte über eine
Bande mit schillernd coolen Typen, die einen Raub planen, durchführen
und am Ende scheitern. Ihre Sprache ist wild, direkt und hemmungslos.
Freundschaften entstehen, Feindschaften brechen aus. Die Helden der
Geschichte hantieren mit Waffen, wissen, sich mit Gewalt durchzusetzen,
rauben und töten. Diese Bilder sehen wir jeden Tag im Fernsehen
in unserm Wohnzimmer. Ihre Coolness beeindruckt uns, ihre Gewalt bringt
uns zum Lachen und fasziniert uns zugleich. Das passiert auf einem sterilen
Bildschirm. Meine Idee war, die Helden des Films aus dem Wohnzimmer
rauszuholen und auf die Bühne zu übertragen. Ich wollte den
Held vor mich hinstellen, mit seinem Blut, Schweiß und seiner
ganzen Gewalt und Tragik." Idee und Regie: Serdal Karaça; Konzept und Design
(Bühne, Licht, Multimedia, Produktionsleitung): Stefan Horn; Dramaturgie:
Götz Müller-Zimmermann; Organisation: Hartmut Schaffrin und
Volker Hornung; Technische Assistenz: Gilles Stein; Mitarbeit Bühne
+ Technik: Chandra Berns, Jürgen Henze, Jack Rohrberg; Klanginstallation
und Produktion des Retro-Hörspiels: Honesty - Otis Studio. Podiumsdiskussion
über "Jugend, Film und Gewalt" am 13.06.99 unter der
Leitung von Volker Hornung mit: Dr. Rolf Giesen (Stiftung der deutschen
Cinemathek), Polizeikommissar Christian, Neco Celik (ehemaliger Anführer
der "36'ers") und Marcus Staiger (Hip Hop-Journalist und -Aktivist). Gastspiele: Brandenburger Theater, 01. + 03.04.1999;
Glashaus Arena Berlin, 10. - 24.06.1999 |
![]() |
![]() |
|
![]() |
|