WILDE HUNDE

 

Dezember 1998

 

WILDE HUNDE
nach einem Film von Quentin Tarantino

"Die JugendTheaterWerkstatt Spandau (Regie: Serdal Karaça) versucht erst gar nicht, dem Tarantino-Film hinterher zu spielen.
Vielmehr ist ein Abend entstanden, der sich die Mittel des Theaters zunutze macht.
Die körperliche Präsenz der unmittelbaren Gewalt wird konfrontiert mit Diabildern. Zu den stehenden Bildern werden Dialoge eingespielt und über einen Fernseher die Auf- und Abgänge gefilmt. Das schafft eine Verschiebung von Wahrnehmungsmustern, etwas wie die Beobachtung beim Beobachten von gewohnten (Film- und Theater-)Bildern.
Im Grunde ist das ein Aufklärungsprojekt, das uns die abgestumpfte Wahrnehmung schmerzlich vor Augen führt und die Lust an der Gewalt reichlich versäuert, ohne in platter Medienkritik zu verharren."
Zitty 12/99, Dirk Pilz

"U7 Richtung Spandau, 10 Uhr, ich fahre nach Spandau zum Klubhaus im Falkenhagener Feld. Die U-Bahn ist voll mit Jugendlichen. Ich höre Wortfetzen deutsch, türkisch, russisch. Die Sprache ist direkt, vulgär und hemmungslos. Sie haben einen Sprachcode, ohne den gehörst du nicht dazu. Die Bedeutung erscheint von außen vulgär und verletzend, aber sie liegt nicht im Wortwörtlichen, sondern in der Übertragung. "Ich bin anderer Meinung" heißt "FICK DICH MANN". Ihre Sprache drückt Coolness und Selbstsicherheit aus; sie wollen Respekt. Ihre Körperhaltung gleicht Filmfiguren. Sie setzen sich die Rollen auf wie Sonnenbrillen und verhüllen sich dahinter. Träume von jungen Menschen, die am Rande leben und wenig Chancen haben, gesellschaftlich aufzusteigen.

WILDE HUNDE ist eine Filmgeschichte über eine Bande mit schillernd coolen Typen, die einen Raub planen, durchführen und am Ende scheitern. Ihre Sprache ist wild, direkt und hemmungslos. Freundschaften entstehen, Feindschaften brechen aus. Die Helden der Geschichte hantieren mit Waffen, wissen, sich mit Gewalt durchzusetzen, rauben und töten. Diese Bilder sehen wir jeden Tag im Fernsehen in unserm Wohnzimmer. Ihre Coolness beeindruckt uns, ihre Gewalt bringt uns zum Lachen und fasziniert uns zugleich. Das passiert auf einem sterilen Bildschirm. Meine Idee war, die Helden des Films aus dem Wohnzimmer rauszuholen und auf die Bühne zu übertragen. Ich wollte den Held vor mich hinstellen, mit seinem Blut, Schweiß und seiner ganzen Gewalt und Tragik."
Serdal Karaça

Idee und Regie: Serdal Karaça; Konzept und Design (Bühne, Licht, Multimedia, Produktionsleitung): Stefan Horn; Dramaturgie: Götz Müller-Zimmermann; Organisation: Hartmut Schaffrin und Volker Hornung; Technische Assistenz: Gilles Stein; Mitarbeit Bühne + Technik: Chandra Berns, Jürgen Henze, Jack Rohrberg; Klanginstallation und Produktion des Retro-Hörspiels: Honesty - Otis Studio. Podiumsdiskussion über "Jugend, Film und Gewalt" am 13.06.99 unter der Leitung von Volker Hornung mit: Dr. Rolf Giesen (Stiftung der deutschen Cinemathek), Polizeikommissar Christian, Neco Celik (ehemaliger Anführer der "36'ers") und Marcus Staiger (Hip Hop-Journalist und -Aktivist).
Schauspiel: Carsten Kramer (Mr. Brown), Gaby Weiland (Kellnerin), Heiko Nagel (Nash), Dean Cheniti und Klaus Zehbe (Eddie), Lutz Hartmann (Mr. Orange), Manuel Abatecola (Mr. Pink), Martin Schielke (Mr. Blonde), Michael Schmidt (Mr. White), Serdal Karaça und Tibor Jagielski (Joe), Sprecher: Stefan Horn, Ann-Marie von Löw, Henning Schossig, Götz Müller-Zimmermann.
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Gastspiele: Brandenburger Theater, 01. + 03.04.1999; Glashaus Arena Berlin, 10. - 24.06.1999
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Wilde Hunde Szenenbild 1
Wilde Hunde Szenenbild 2
Wilde Hunde Szenenbild 3